Hinter den Kulissen - Töchter des Feuers: London

Hast du dich schon einmal gefragt, wie ich auf die Idee zu dieser actionreichen und humorvollen Geschichte mit Löwen-Gestaltwandlern gekommen bin? Dann lies weiter! Hier nehme ich dich mit auf einen Blick hinter die Kulissen von Töchter des Feuers: London.

DIE FIGUREN

Manchmal habe ich beim Schreiben eines Buches meine Figuren von Anfang an ganz klar vor Augen – ihre Persönlichkeit, ihre Vergangenheit und ihre Ziele. Und manchmal habe ich nur eine grobe Vorstellung und lerne sie erst richtig kennen, während die Geschichte entsteht. Bei Töchter des Feuers: London war es eine Mischung aus beidem. Ich dachte, ich würde Liam und Gemma bereits in- und auswendig kennen. Doch während des Schreibens haben sie mich immer wieder überrascht. Ja, manchmal schreiben Figuren ihre Geschichte tatsächlich fast von selbst – und genau so war es hier.

Nehmen wir Liam. Der Held von Töchter des Feuers: London hatte bereits in Band 1, Töchter des Feuers: Paris, seinen ersten Auftritt. Dort fiel sofort seine lockere, lebensfrohe Art auf. Doch je tiefer ich in seine Geschichte eintauchte, desto mehr Geheimnisse gab er preis. Am Ende wurde er vielleicht sogar einer der vielschichtigsten Helden, die ich je geschrieben habe.

An Liam gibt es unglaublich viel zu mögen – und mindestens genauso viel, bei dem man mit ihm mitfühlt. Trotzdem begegnet er all dem mit Humor und erstaunlicher Gelassenheit. Wie ich auf jede neue Wendung seiner Vergangenheit gekommen bin? Ehrlich gesagt weiß ich das selbst nicht so genau. Je mehr ich schrieb, desto mehr fügte sich sein Leben zusammen – und desto liebenswerter wurde er.

Mit Gemma war es ganz ähnlich. Auch bei ihr dachte ich zu Beginn, genau zu wissen, wer sie ist. Doch während der Geschichte kamen immer neue Seiten zum Vorschein. Am Ende wurde sie deutlich stärker, schlagfertiger und selbstbewusster, als ich ursprünglich geplant hatte. Ich mag besonders, dass Gemma offen ihre Meinung sagt, ohne unhöflich zu sein. Sie weiß, was sie will, ohne dabei herrisch zu wirken. Electra und die anderen Guardians würden das vermutlich anders sehen, aber ich hoffe, du stimmst mir zu!

Außerdem gefällt mir, dass sie sich zwar mit ganzem Herzen für soziale Themen engagiert, ihre Überzeugungen aber niemandem aufzwingt. Wie genau sich das entwickelt hat? Keine Ahnung. Gemma hat sich genauso selbst geschrieben wie Liam. Sie erinnert mich an niemanden, den ich kenne oder jemals getroffen habe. Manchmal macht die Fantasie eben, was sie will.

Den größten Spaß hatte ich allerdings mit den verschiedenen Gestaltwandlern im Londoner Rat der Guardians: den stürmischen walisischen Drachen, den sensiblen schottischen Einhörnern und den etwas unbeholfenen irischen Hirsch-Gestaltwandlern. Ich habe im Laufe der Jahre mit Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen Großbritanniens zusammengearbeitet, und es war herrlich, jedem Land seine ganz eigene Gestaltwandler-Art zuzuordnen. Ich musste beim Schreiben mehr als einmal laut lachen. Hoffentlich ging es dir beim Lesen genauso!

Und dann wäre da noch Gareth – der steife Butler mit seinem herrlich trockenen Humor. Eigentlich sollte er nur einer dieser Nebencharaktere sein, die Informationen liefern und andere Figuren in die richtige Richtung schubsen. Doch Gareth entwickelte schnell ein Eigenleben und stahl den Hauptfiguren stellenweise beinahe die Show. Besonders viel Spaß hatte ich bei der Szene, in der er versucht, Liams Schlafzimmer gemütlicher zu machen und dabei einen trockenen Kommentar nach dem anderen fallen lässt.

Als Gegenpol zu Liam funktioniert Gareth einfach perfekt. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein – was Alter, Herkunft und Weltanschauung betrifft. Manchmal ist Gareth sogar so bestimmend, dass man fast vergisst, wer hier eigentlich Butler und wer Hausherr ist. Genau das macht ihre Dynamik so unterhaltsam. Gleichzeitig ist Gareth unglaublich loyal. Und am Ende profitieren beide voneinander – auch wenn keiner von ihnen das jemals freiwillig zugeben würde.

UNTERWEGS IN LONDON - WIE DIE GESCHICHTE ENTSTAND

Ich war schon ein paar Mal in London und hatte bereits eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie Band 2 meiner Töchter des Feuers-Reihe werden sollte. Trotzdem war ich überrascht, wie viele neue Ideen mir kamen, als ich die Stadt mit einer Löwen- und Drachengeschichte im Hinterkopf noch einmal ganz bewusst erkundete.

Wie Liam im Buch feststellt, wimmelt es in London tatsächlich nur so von Löwen. Sie stehen überall: an der Themse, rund um den Trafalgar Square, vor dem Buckingham Palace… Jedes Mal, wenn ich wieder eine Löwenstatue oder ein Löwenrelief entdeckte, fügte sich ein weiteres Puzzleteil der Geschichte zusammen. Nach und nach verband sich das mit all den typisch britischen Traditionen wie der Wachablösung, bis in meinem Kopf eine immer reichere Welt der Gestaltwandler entstand.

Diese Reise brachte noch viele weitere Ideen hervor. Als ich zum Beispiel durch den Hyde Park spazierte und nach einem geeigneten Treffpunkt für Löwen-Gestaltwandler Ausschau hielt, begegnete ich einer Demonstration. Überall liefen Menschen mit Schildern herum und waren auf dem Weg zu einer Kundgebung – zu genau der „Say No to Racism“-Demonstration, die später auch im Buch vorkommt. Das inspirierte nicht nur eine einzelne Szene, sondern wurde letztlich sogar zum Ausgangspunkt für Gemmas Figur. Genau deshalb besuche ich die Schauplätze meiner Bücher immer wieder persönlich. Solche zufälligen Begegnungen können ganze Handlungsstränge entstehen lassen und eine Geschichte erst richtig lebendig machen.

Auch Notting Hill hat mir viel Freude bereitet. Dort entdeckte ich einen Kartenladen, der schließlich als Vorlage für Gemmas Arbeitsplatz diente. Und dann wollte ich eigentlich nur eine Abkürzung vom Aussichtspunkt auf dem Primrose Hill zur U-Bahn nehmen. Stattdessen stieß ich zufällig auf einen ruhigen Kanal mit den typischen schmalen Hausbooten, den sogenannten Narrowboats. Und schon war wieder ein kleines Detail geboren, das seinen Weg in die Geschichte fand.

Auch Liams Verbindung zu Richmond entstand eher zufällig. Eigentlich wollte ich nur die Kew Gardens besuchen, um einmal kurz dem Großstadttrubel zu entkommen. Als ich mich über die Gegend informierte, beschloss ich spontan, auch Richmond anzusehen. Dort spazierte ich an der Themse entlang – genau durch das Viertel, das später Liams Elternhaus und das Anwesen seiner Löwenfamilie inspirierte.

Von dort aus führte die Handlung schließlich sogar bis zu einem wunderschönen Schloss in Wales. Wie das kam? Während ich an diesem stürmischen Tag durch Richmond lief, stellte ich mir vor, was Liam und Gemma jetzt wohl denken würden. Wo könnten sie sich vor den machthungrigen Guardians verstecken? Zunächst schien Richmond weit genug entfernt zu sein. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass sie noch viel weiter fliehen mussten.

Also schickte ich sie kurzerhand nach Wales. Das ist schließlich das Schöne am Schreiben: Man muss sich nicht mit gewöhnlichen Schauplätzen zufriedengeben. Das Schloss passte einfach perfekt. Und plötzlich begann ich darüber nachzudenken, wie Liams Eltern wohl zusammengefunden hatten und welche Konflikte zwischen Löwen und Drachen daraus entstanden sein könnten.

So hat mir diese eine Reise nach London am Ende weit mehr geliefert, als ich jemals erwartet hätte. All diese echten Erlebnisse und die Fantasie, die daraus entstand, haben die Geschichte um viele Facetten bereichert.

MEINE LIEBLINGSSZENE

Wie immer habe ich gleich mehrere Lieblingsszenen. Ich liebe alle Momente, in denen Gemma Liam langsam kennenlernt und seine Geschichten über Löwen-Gestaltwandler zunächst für Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung hält.

Ebenso gern mag ich die Szenen zwischen Liam und seiner Tante Lucinda – und natürlich die mit dem leidgeprüften Gareth, der im Laufe der Geschichte immer mehr zu einer Art Vaterfigur für Liam wird. Wobei die beiden das vermutlich niemals zugeben würden. Meine absolute Lieblingsszene ist allerdings das große Finale, in dem Gemma den Londoner Guardians gegenübertritt.

Und wie sieht es bei dir aus? Welche Szene ist deine Lieblingsszene?

GRÖßTE ÄNDERUNG VOM ERSTEN KONZEPT ZUR FERTIGEN GESCHICHTE

Wie ich schon erzählt habe, hatte ich die Grundidee der Geschichte von Anfang an im Kopf. Trotzdem hat mir meine Reise nach London unzählige neue Details und Ideen geschenkt, mit denen ich nie gerechnet hätte. Die größte Veränderung betraf allerdings Liam selbst – genauer gesagt die Frage, welche Art von Gestaltwandler er überhaupt sein sollte.

Aber hier gibt es keine Spoiler! Ihr müsst die Geschichte schon lesen, um herauszufinden, wie ich dieses Problem gelöst habe. Es genügt zu sagen, dass ich damit natürlich auch die Geschichte seiner Eltern entwickeln musste – und genau das verlieh seiner Figur noch einmal eine ganz neue Tiefe. Am Ende wurde die gesamte Geschichte dadurch komplexer und spannender. Es fasziniert mich immer wieder, wie sehr sich ein Buch während des Schreibens verändern kann.

Ich hoffe, dir hat dieser kleine Blick hinter die Kulissen von Töchter des Feuers: London gefallen! Als Nächstes ist Sergio an der Reihe. Ich glaube, Töchter des Feuers: Rom wird dich genauso mitreißen, dich romantisch überraschen und immer wieder unerwartete Wendungen bereithalten wie Töchter des Feuers: London. Viel Spaß beim Lesen!