Ein Wolfs-Gestaltwandler auf der Suche nach Erlösung. Eine Frau, die völlig unerwartet selbst zur Gestaltwandlerin wird. Wie ist diese Geschichte eigentlich entstanden?
Hier nehme ich dich mit auf einen Blick hinter die Kulissen von Töchter des Feuers: Rom und erzähle dir, wie dieser Roman nach und nach Gestalt angenommen hat.
DIE GESCHICHTE UND DIE FIGUREN
Töchter des Feuers: Rom nimmt unter meinen Büchern eine besondere Stellung ein, denn zum ersten Mal beginnt eine Geschichte mit einer Heldin, die völlig unvorbereitet in die Welt der Gestaltwandler hineingezogen wird – weil sie plötzlich selbst beginnt, sich zu verwandeln.
Ich wollte die Geschichte mit einem echten Paukenschlag eröffnen. Und genau diese zündende Idee kam mir bei einem morgendlichen Spaziergang durch den römischen Park Villa Pamphili. Von dieser ersten Idee aus entwickelte sich nach und nach Lenas Persönlichkeit und ihre gesamte Vorgeschichte.
Mir war wichtig, dass Lena eng mit Rom verbunden ist und dass sie durch ihre Werte und ihren Beruf perfekt zu einer Tochter des Feuers passt. Und irgendwann war sie einfach da: Lena – eine Frau, die stark ist, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, freundlich, ohne sich ausnutzen zu lassen, und unglaublich kompetent, ohne dabei eine Superheldin zu sein.
Sie muss sich im Laufe der Geschichte vielen Herausforderungen stellen und begegnet ihnen mit Würde und Entschlossenheit. Genau diese Haltung bewundere ich besonders an meiner Mutter. Man kann nicht beeinflussen, was das Schicksal einem vor die Füße wirft – aber man kann selbst entscheiden, wie man damit umgeht. Wenn dir das beim Lesen auffällt, dann steckt darin auch eine kleine Hommage an jemanden, dem ich unendlich viel verdanke.
Sergio hast du bereits in Töchter des Feuers: London kennengelernt, doch erst in diesem Band erfährst du, wer er wirklich ist. Dass seine Familie Verbindungen zur Mafia hat, gehörte zu den ersten Ideen, die ich für seine Geschichte festgelegt habe. Zum einen liebe ich Geschichten über Erlösung und zweite Chancen. Zum anderen gibt es kaum etwas Verboteneres als einen Mann wie Sergio, der sich ausgerechnet in eine Tochter des Feuers verliebt, die fast wie eine Prinzessin wirkt.
Sergios Vergangenheit ist von vielen dunklen Momenten geprägt. Doch sein Wolf gibt die Hoffnung auf ein besseres Leben – und vielleicht sogar auf die Liebe – nie auf, selbst wenn sein menschlicher Verstand längst daran zweifelt.
Wie viele meiner Helden hat auch Sergio großen Respekt vor Frauen. Dieser Respekt stammt aus dem starken Gegensatz zwischen seiner liebevollen Mutter und den Männern seiner Familie, die er verachtet hat. Dadurch wird er genau zu der Art Held, die ich besonders gern schreibe: stark und verletzlich zugleich, beschützend und jederzeit bereit, die Frau an seiner Seite zu unterstützen.
Von Anfang an war außerdem klar, dass die Lombardis auch in diesem Band eine wichtige Rolle spielen würden. Allerdings sind sie viel zu gerissen, um ihre Pläne schon früh offenzulegen. Deshalb übernimmt Vicente zunächst die Rolle der sichtbaren Bedrohung. Er verkörpert alles, was Sergio verabscheut, bleibt dabei aber geheimnisvoll genug, um spannend zu sein. Tatsächlich gehört Vicente zu den Figuren, die ihre Geschichte fast selbst geschrieben haben. Eigentlich sollte er nur ein klassischer Bösewicht werden. Doch während des Schreibens entwickelte er sich zu einer deutlich vielschichtigeren Figur mit ganz eigenen inneren Konflikten.
Amber dagegen… nun ja. Sie begann als ziemlich eindimensionale Figur – und blieb es auch. Nicht, weil ich keine komplexere Figur schreiben wollte, sondern weil es solche Menschen einfach gibt. Oberflächlich. Egozentrisch. Immer um sich selbst kreisend. Du kennst bestimmt auch solche Leute!
Marco dagegen ist dieser geheimnisvolle Fremde, bei dem das Herz sofort ein bisschen schneller schlägt. Ein loyaler Freund, ein kampferprobter Soldat und ein Mann, der von einer großen Liebe gezeichnet wurde. Aber ich greife schon vor. Seine Geschichte wartet im nächsten Band: Töchter des Feuers: Portugal.
UNTERWEGS IN ROM
Im Grunde hätte ich diese Geschichte allein aus der Erinnerung an eine Reise schreiben können, die ich viele Jahre zuvor nach Rom gemacht hatte. Schließlich verändern sich die berühmten Bauwerke und der besondere Charme der Ewigen Stadt nicht von heute auf morgen. Trotzdem hat sich die Reise, die ich eigens zur Recherche für dieses Buch unternommen habe, mehr als gelohnt. Sie hat mir unzählige kleine Details geliefert, die die Geschichte erst richtig lebendig gemacht haben.
Zum Beispiel hatte ich damals zufällig ein Hotel hoch oben auf dem Gianicolo gebucht. Das Frühstück wurde auf einer Dachterrasse serviert – mit genau dem Ausblick, den ich später im Buch beschrieben habe. Von dort konnte ich direkt auf die Villa Pamphili und eine wunderschöne Villa mit zinnenbewehrtem Turm blicken. Damit hatte ich praktisch sofort einen atmosphärischen Schauplatz für wichtige Szenen der Geschichte gefunden.
Natürlich spielen auch viele der berühmtesten Orte Roms eine Rolle – von der Spanischen Treppe über die Isola Tiberina bis hin zu Lenas liebenswert-chaotischem Viertel Trastevere. Als Geschichtsfan wollte ich dieses Mal aber unbedingt auch Orte außerhalb des Stadtzentrums erkunden. Deshalb verschlug es mich unter anderem in den Parco degli Acquedotti am Stadtrand. Ehrlich gesagt hatte das zunächst eher persönliche Gründe als etwas mit dem Buch zu tun. Falls du Töchter des Feuers: Paris gelesen hast, ist dir vielleicht aufgefallen, dass ich eine kleine Schwäche für Aquädukte habe!
Während ich dort mit dem Mountainbike unterwegs war, konnte ich einfach nicht anders, als mir einen gewaltigen Kampf vorzustellen – am Boden ebenso wie in der Luft. Mir wurde sofort klar, dass dieser Ort wie geschaffen für eine große Actionszene ist. Das hätte ich vermutlich nie erkannt, wenn ich ihn nicht selbst mit Gestaltwandlern im Kopf besucht hätte.
Zugegeben: Ich musste noch nie vor bösen Gestaltwandlern fliehen und dabei über die Oberseite eines Aquädukts rennen. Aber ich bin tatsächlich einmal über den Pont du Gard in Südfrankreich gelaufen – genau das Aquädukt, der bereits in Töchter des Feuers: Paris vorkommt. Dadurch wusste ich ziemlich genau, wie schwindelerregend sich das anfühlt. Ich hoffe, dass diese Atmosphäre auch beim Lesen spürbar wird.
Zum Schluss noch einmal zurück auf den Gianicolo – zu der Villa mit dem zinnenbewehrten Turm. Ich war so begeistert von diesem Haus, dass ich kurz darüber nachgedacht habe, Sergio zu einem Drachen-Gestaltwandler zu machen. Schließlich wäre das die perfekte Residenz für einen Drachen aus altem Adelsgeschlecht. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir: Das passt einfach nicht zu Sergio. Zu jemandem wie Leonardo D’Accardi dagegen schon.
Am Ende konnte ich dort mehrere Handlungsstränge zusammenführen – und genau das liebe ich am Schreiben. Ich darf außergewöhnliche Orte Teil des Lebens meiner Figuren werden lassen und sie gemeinsam mit ihnen erleben.
MEINE LIEBLINGSSZENE
Ich habe gleich mehrere Lieblingsszenen, aber ich beschränke mich diesmal auf zwei. Interessanterweise spielen beide an Orten, die ich eher zufällig entdeckt habe – und nicht an Schauplätzen, die ich schon vor meiner Reise nach Rom fest eingeplant hatte.
Die erste ist natürlich der Kampf an den Aquädukten. Es hat riesigen Spaß gemacht, an diesem Tag mit dem Fahrrad durch den Parco degli Acquedotti zu fahren, und fast den ganzen Nachmittag habe ich mir vorgestellt, wie dort eine gewaltige Schlacht tobt. Genau deshalb gehört diese Szene zu meinen absoluten Favoriten. Nicht nur wegen der beeindruckenden Kulisse, sondern auch wegen der Action: Drachen, die zwischen den Bögen hindurchschießen, Lena, die auf dem schmalen Aquädukt das Gleichgewicht halten muss, und Wölfe, die sich am Boden erbitterte Kämpfe liefern.
Meine zweite Lieblingsszene ist der Moment, in dem Sergio Lena in ihrer Wohnung im Trastevere besucht. Auch hier spielt der Schauplatz eine große Rolle. Die Szene steckt voller kleiner Details, die Rom für mich so lebendig machen: die scharfzüngige alte Witwe mit ihrem kläffenden Hund, das knarrende Treppenhaus, der bröckelnde Putz und der Blick über die terrakottafarbenen Dächer des alten Viertels.
Gleichzeitig liebe ich die Szene wegen der knisternden Anziehung zwischen Sergio und Lena. Dazu kommt die ständige Gefahr, in der Lena schwebt, und natürlich Signora Donatelli, die neugierige, leicht grantige Vermieterin, die immer genau im falschen Moment auftaucht. In dieser Szene steckt einfach unglaublich viel. Vielleicht nimmst du beim Lesen gar nicht jedes einzelne Detail bewusst wahr – aber genau diese vielen Kleinigkeiten machen sie für mich so atmosphärisch und unvergesslich.
Das sind jedenfalls zwei meiner Lieblingsszenen. Und wie sieht es bei dir aus? Welche Szene ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?
GRÖßTE ÄNDERUNG VOM ERSTEN KONZEPT ZUR FERTIGEN GESCHICHTE
Die größte Veränderung bei Töchter des Feuers: Rom war eine Idee, die ich schließlich wieder verworfen habe. Ursprünglich hatte ich nämlich überlegt, aus der Geschichte eine Ménage-Romanze mit zwei Brüdern zu machen – angelehnt an Romulus und Remus, die legendären Wolfsbrüder und Gründer Roms.
Das hätte sicher großen Spaß gemacht und wäre eine spannende Abwechslung zu meinen bisherigen Geschichten gewesen, in denen immer genau ein Held und eine Heldin im Mittelpunkt stehen. Doch je länger ich schrieb, desto deutlicher wurde mir, dass Sergio einfach ein Einzelgänger ist – ein echter einsamer Wolf.
Außerdem endet die Legende von Romulus und Remus bekanntlich nicht besonders romantisch. Einer der Brüder tötet den anderen – und genau das wollte ich natürlich auf keinen Fall erzählen. Also blieb es bei einem einzigen Paar. Das heißt allerdings nicht, dass ich nie eine Ménage- oder Reverse-Harem-Geschichte schreiben werde. Im Gegenteil – die Idee reizt mich durchaus. Konkrete Pläne gibt es zwar noch nicht, aber bleib gespannt. Wer weiß, welche Geschichten mir als Nächstes einfallen!
Eine weitere größere Änderung betraf das Finale. In meinem ersten Entwurf sollte der entscheidende Kampf im Kolosseum stattfinden. Sergio und Vicente hätten sich dort wie Gladiatoren gegenübergestanden, während Drachen über ihnen kreisen und andere Gestaltwandler aus verborgenen Gängen auftauchen. Das hätte zweifellos spektakulär ausgesehen. Trotzdem habe ich mich aus drei Gründen dagegen entschieden.
Erstens besitzt das Kolosseum heute gar keinen richtigen Arenaboden mehr. Dieser ist bereits vor Jahrhunderten eingestürzt und gibt den Blick auf das unterirdische Gangsystem frei, in dem früher Tiere, Gladiatoren und Bühnenelemente bewegt wurden. Abgesehen von einer kleinen rekonstruierten Plattform gibt es dort also kaum eine geeignete Fläche für einen großen Kampf.
Zweitens liegt das Kolosseum mitten im Herzen Roms. Einen gewaltigen Kampf zwischen Gestaltwandlern dort unbemerkt vor den Menschen stattfinden zu lassen, wäre selbst mit einer Menge Magie nur schwer glaubwürdig gewesen. Und drittens hatte ich mich inzwischen einfach in den Aquäduktpark außerhalb der Stadt verliebt – sowohl wegen der beeindruckenden Bauwerke als auch wegen der abgeschiedenen Atmosphäre, die perfekt zu dieser Szene passte.
Eine letzte Änderung war eher kleiner. In meiner ursprünglichen Planung sollte es eine deutlich größere Nebenhandlung um Domenico (den Sohn des alten Drachen Dante) geben. Er ist heimlich in eine Dienerin im Hauptquartier der Hüter von Rom verliebt, und diese verbotene Liebesgeschichte sollte ursprünglich mehr Raum bekommen.
Doch das Buch war bereits voller Figuren, Handlungsstränge und Intrigen. Deshalb habe ich diese Geschichte etwas zurückgenommen und stattdessen als Bonusszene zu Fire Maidens: Rome weitererzählt. Wenn du meinen Newsletter abonnierst, bekommst du nicht nur diese zusätzliche Szene, sondern auch Informationen über neue Bücher, Sonderangebote und Zugriff auf viele weitere kostenlose Bonusgeschichten.
Damit sind wir am Ende unseres kleinen Blicks hinter die Kulissen von Töchter des Feuers: Rom angekommen. Ich hoffe, es hat dir Spaß gemacht, Band 3 dieser Reihe einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen.
Als Nächstes wartet Marcos Geschichte auf dich: Töchter des Feuers: Portugal. Freu dich auf eine schlagfertige Heldin, einen Helden mit gebrochenem Herzen und einige der schönsten Schauplätze überhaupt – von Lissabon bis auf die Insel Madeira. Ich hoffe, du bist wieder mit dabei!