Hinter den Kulissen - Töchter des Feuers: Portugal

Warum ausgerechnet Portugal? Und warum habe ich meine Drachen bis auf die abgelegene Insel Madeira geschickt? Lies weiter und begleite mich auf einen Blick hinter die Kulissen von Töchter des Feuers: Portugal.

DIE GESCHICHTE

Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, Marco und Laura zusammenzubringen. Töchter des Feuers: Portugal spielt mit gleich zwei meiner Lieblingsmotive: Gegensätze ziehen sich an und aus Feinden werden Liebende (Enemies to Lovers). Entsprechend holprig beginnt ihre gemeinsame Geschichte.

Der arme Marco wurde in der Vergangenheit so sehr von der Liebe verletzt, dass er allen Frauen misstraut. Laura gegenüber ist er zunächst besonders schroff – nicht zuletzt, weil sie sein Herz schneller schlagen lässt.

Laura wiederum ist auf der Flucht und hat genauso wenig Lust, jemandem zu vertrauen. Schon gar nicht möchte sie sich eingestehen, wie sehr sie sich zu dem abgeklärten Krieger hingezogen fühlt, der ihr genau dann zur Hilfe kommt, als sie ihn am dringendsten braucht. Doch Stück für Stück kommen sich die beiden näher – und genau darin liegt für mich der Reiz dieser Geschichte.

Die Handlung von Töchter des Feuers: Portugal entwickelte sich ganz allmählich aus dieser Ausgangssituation. Deshalb kann ich gar nicht genau sagen, wo die eigentliche Inspiration begann. Aber ehrlich gesagt fällt es schwer, keine spannende und romantische Geschichte zu schreiben, wenn man zwei faszinierende Figuren an einen Ort wie Lissabon schickt und der Fantasie freien Lauf lässt! Jeder Aussichtspunkt auf den Hügeln schien geradezu danach zu rufen, Schauplatz eines gestohlenen Kusses zu werden. Jede verwinkelte Gasse wollte unbedingt eine Verfolgungsjagd erleben.

Und dann ist da natürlich noch Madeira – eine Insel von wilder, ursprünglicher Schönheit, die mich zu unzähligen weiteren Szenen und Ideen inspiriert hat. Im Grunde entstand die Geschichte also aus zwei Zutaten: einem Paar, das mit aller Kraft versucht, sich nicht ineinander zu verlieben, und einer Kulisse, die ihre ganz eigene Geschichte erzählt.

DIE FIGUREN

Marco da Silva, der Drachenheld dieser Geschichte, ist eine Figur, die sich über mehrere Bücher hinweg entwickelt hat. In Töchter des Feuers: Rom spielt er bereits eine wichtige Rolle, und es wird schnell deutlich, dass ihn eine große Enttäuschung in der Liebe geprägt hat. Warum? Nun, wenn du Töchter des Feuers: Portugal schon gelesen hast, kennst du die Antwort. Falls nicht, verrate ich nur so viel: Er wurde schwer verletzt – emotional, nicht körperlich. Für die ganze Geschichte musst du schon selbst zum Buch greifen.

Wie du wahrscheinlich schon gemerkt hast, kann ich Helden mit seelischen Narben einfach nicht widerstehen. Besonders spannend finde ich zu beobachten, wie Marco trotz all seiner Verletzungen, Fehler und Zweifel langsam über sich hinauswächst und die Mauern einreißt, die er selbst um sein Herz gebaut hat.

Laura dagegen hatte nie Schwierigkeiten damit, das Leben zu genießen. Mit der Welt der Gestaltwandler sieht das allerdings ganz anders aus – und genau hier treffen die Gegensätze aufeinander. Marco und Laura brauchen einander mehr, als ihnen zunächst bewusst ist. Nur dauert es eine Weile, bis sie das erkennen.

Wer ist Laura eigentlich – und woher kam die Inspiration für diese temperamentvolle Heldin? Wie viele meiner Lieblingsfiguren ist auch sie eine Mischung aus realen Vorbildern und Fantasie. Als Kind war ich mit einem Mädchen aus meiner Nachbarschaft befreundet. Ihre Eltern waren – genau wie meine – in die USA eingewandert. Ihre Familie stammte aus Portugal und ihr Vater hat unsere Fußballmannschaft trainiert. Damals wusste ich noch nicht viel über dieses Land, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie herzlich und eng verbunden diese Familie war.

Von dieser Familie habe ich einige Erinnerungen übernommen und sie mit Eindrücken anderer portugiesischstämmiger Amerikaner kombiniert, die ich später kennengelernt habe – zum Beispiel die Begeisterung fürs Radfahren. So entstand nach und nach Lauras persönliche Geschichte.

Eine kleine Anekdote am Rande: Genau wie Marco wusste ich lange Zeit gar nicht, dass es den Beruf einer Fahrradbeauftragten beziehungsweise Fahrradlobbyistin überhaupt gibt. Erst während eines Urlaubs kam ich mit einer Frau ins Gespräch, die mir erzählte, dass ihr Mann genau diesen Beruf ausübt. Und sofort stand für mich fest, dass Laura sich leidenschaftlich für sichere Radwege einsetzen würde. Schließlich kämpft eine echte Tochter des Feuers immer für eine gute Sache.

UNTERWEGS IN PORTUGAL

Portugal war einer der wenigen Schauplätze dieser Reihe, die ich bis vor Kurzem selbst noch gar nicht besucht hatte. Paris, London und Rom kenne ich inzwischen seit Jahrzehnten und war immer wieder dort. Portugal dagegen war völliges Neuland für mich. Und ich habe mich sofort verliebt.

Für mich verbindet Lissabon das Beste aus zwei Welten: Europas Geschichte, Kultur und großartiges Essen – kombiniert mit einer Landschaft, die mich immer wieder an San Francisco erinnert. Die historischen Straßenbahnen, die steilen Hügel und sogar die Brücke, die an die Golden Gate Bridge erinnert, verstärken dieses Gefühl noch.

Mein Lieblingsviertel war ganz klar die Alfama, der älteste Teil der Stadt. Und dort entdeckte ich auch sofort mein Lieblingshaus. Ja – dieses moderne weiße Haus hoch oben am Hang in der Nähe der Burg gibt es wirklich. Genau wie Marcos Haus im Buch.

Madeira wiederum hatte ich bereits etwa ein Jahr vor dem Schreiben besucht – gemeinsam mit meiner Familie. Damals war das einfach ein Wanderurlaub. Ich hatte überhaupt nicht vor, dort einen Roman spielen zu lassen. Doch nach einer Woche auf dieser atemberaubend schönen Insel wusste ich: Hier müssen unbedingt Drachen durch die Nebel über den Bergen fliegen! Das ist schließlich das Schöne am Schreiben. Wenn die Fantasie einen Ort liebt, darf sie ihn einfach zum Teil einer Geschichte machen.

MEINE LIEBLINGSSZENE

Ich habe natürlich wieder mehrere Lieblingsszenen! Eine davon spielt in Lissabon. Laura will Tito auf dem Mercado treffen, muss sich schließlich auf der Galerie verstecken und flieht am Ende auf Marcos Motorrad. Viele der kleinen Details in den verwinkelten Gassen stammen direkt von meinen eigenen Spaziergängen durch die Alfama – bis hin zu dem älteren Herrn, der vor seiner Haustür selbstgemachten Likör verkauft hat.

Ebenso gern mag ich die kleine Geschichtsstunde während der Szene mit dem Paarungsbiss. Ich konnte einfach nicht widerstehen, dort meine Begeisterung für das Zeitalter der Entdeckungen einzubauen. Stell dir nur einmal vor, in einer Zeit zu leben, in der sich die Grenzen der bekannten Welt alle paar Jahre verschoben haben. Wir glauben heute oft, dass sich die Welt rasend schnell verändert – damals muss sich das ganz ähnlich angefühlt haben. Es hat jedenfalls großen Spaß gemacht, diese historische Begeisterung mit einer ziemlich heißen Szene zu verbinden, in der Marco auf seine ganz eigene Weise auf Entdeckungsreise geht.

Wenn ich mich allerdings für eine einzige Lieblingsszene entscheiden müsste, wäre es der lange nächtliche Flug von Lissabon nach Madeira. Marco und Laura legen die gesamte Strecke auf ihren eigenen Schwingen zurück. Diese Reise ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional eine Herausforderung. Gemeinsam überqueren sie das gefährliche Meer, bis die Insel langsam am Horizont auftaucht. Unterwegs wachsen Vertrauen und gegenseitiger Respekt zwischen ihnen. Und genau daraus entsteht schließlich eine Liebe, die Bestand haben wird.

GRÖßTE ÄNDERUNG VOM ERSTEN KONZEPT ZUR FERTIGEN GESCHICHTE

Die größte Veränderung hatte überraschenderweise gar nichts mit der Geschichte selbst zu tun. Lange wusste ich nämlich nicht, ob Töchter des Feuers: Portugal Band 3 oder Band 4 der Reihe werden sollte. Eigentlich hatte ich bereits mit Töchter des Feuers: Rom als drittem Band begonnen. Irgendwann kam ich jedoch überhaupt nicht mehr voran. Damals dachte ich, das Problem läge an der Geschichte.

Im Nachhinein weiß ich, dass es einfach an mir lag. Ich war zu dieser Zeit ziemlich ausgebrannt und brauchte dringend eine kreative Pause. Plötzlich hatte ich viel mehr Lust, Töchter des Feuers: Portugal zu schreiben. Also legte ich Rom erst einmal beiseite und begann mit Marcos Geschichte.

Später entschied ich mich dann doch dafür, bei der ursprünglichen Reihenfolge zu bleiben und Töchter des Feuers: Rom als Band 3 zu veröffentlichen. Das bedeutete allerdings, dass ich bereits einige Kapitel von Töchter des Feuers: Portugal umschreiben musste. Ursprünglich war Sergio bis ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem die Figuren Madeira erreichen, Marcos Begleiter gewesen. Deshalb musste ich Finn einführen und mehrere Szenen entsprechend anpassen. Heute bin ich sehr froh über diese Entscheidung.

Die Reihenfolge fühlt sich genau richtig an – und sie bildet die perfekte Grundlage für Finns Geschichte in Töchter des Feuers: Irland. Also: Lass dir diese Geschichte nicht entgehen!